Island 2020 — eine Nachlese

Veröffentlicht als Einblick
von Joschi Kuphalam

Der 20. März 2020 hatte das Zeug zum richtig guten Tag: Die 3. Konferenz unserer Material-Reihe in Rekyjavík stand an, und anschließend ein paar Tage Offsite-Workshop auf dem Land. Dann, nur wenige Stunden vor Beginn des Corona-Lockdowns, mussten wir die Veranstaltung schweren Herzens absagen. Wir konnten unsere Reise nur verschieben, nicht stornieren — und haben sie nichts ahnend auf Ende Juni gelegt. Hier sind wir nun. Zurück in Island.

Das fehlt gerade noch: Eine Zusammenfassung unseres Trips nach Island. Zwei Wochen sind wir nun zurück von unserer nicht ganz frei geplanten Reise in ein Land, das uns immer wieder mühelos in seinen Bann zieht — und wir sind überzeugt, dass einige Leserinnen und Leser diese Faszination nachvollziehen können. Vorab bedanken wir uns, dass so viele unsere Live-Statusmeldungen mitverfolgt und Anteil daran genommen haben. So hat es wirklich Spaß gemacht, euch auf dem Laufenden zu halten!

Was geht?

Klar — man kann, man muss sich vielleicht fragen: Wozu eine solche Reise? Warum mit dem Team? Warum nach Island? Warum jetzt, trotz und während Corona? Bevor die Reisenden diese Frage am Ende selbst beantworten, zunächst ein Abriss des Erlebten.

Der Hergang unseres diesjährigen Trips steckt ja bereits in der Einleitung: Die ausgefallene Material-Konferenz, die Verlegung unserer Buchungen in die damals völlig ungewisse Zukunft, und viele günstige Zufälle haben dazu geführt, dass wir doch tatsächlich die Chance erhielten, zur absoluten Hauptsaison — und dabei zu Märzpreisen — in ein leergefegtes Island zu reisen. Ein Island, dass im Vergleich zu anderen Ländern quasi coronafrei ist, im Augenblick jedenfalls, und das unter dem Wegbruch des Tourismus gelitten hat und leidet. Dabei glaubt es Island ja selbst kaum, dass es die vielen Touristen wirklich einmal vermisst hätte.

Eiskristalle auf einem Flugzeugfenster, im Hintergrund der Himmel und ein Flugzeugflügel
Keine Selbstverständlichkeit

Noch eine Woche zuvor waren die innereuropäischen Grenzen weitgehend geschlossen. Icelandair hat schnell reagiert und bestimmte Flugrouten wieder geöffnet.

Quelle: Nina Lassauer / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Fast bis zuletzt war unklar, ob unsere Reise wirklich stattfinden könnte. Wären die Grenzen rechtzeitig wieder offen? Würde Icelandair innerhalb von nur einer Woche nach Aufhebung der weltweiten Reisewarnung den Flugverkehr wieder so hochfahren können, dass unsere Flüge wirklich starten würden? Was würde uns in Island erwarten? Würden wir doch irgendwie aufgehalten werden, und könnten wir zum Schluss überhaupt wieder nach Hause reisen? Uns blieb nichts anderes, als alles das auf uns zukommen zu lassen — und unsere Geduld wurde belohnt. Mit nur einem Tag Verschiebung traten wir den Weg nach Island an, der glücklicherweise alles andere als beschwerlich werden sollte.

Positiv? Negativ?

Annika, Nina und ich hatten den dankenswerten Luxus, per Privat-Shuttle zum Flughafen nach München zu gelangen. Unsere Gepäckmenge war dieses Mal kein Thema: Wir hatten dazugelernt beim letzten Mal, und der Juni stellt eben doch andere Anforderungen an die Ausrüstung als der November. Jeff stieß am gespenstisch menschenleeren Flughafen zu uns, und unser Flug verlief reibungslos. Einzig die Schutzmasken, die wir die ganze Zeit über trugen, wurden auf Dauer anstrengend hinter den Ohren …

Jeff, Annika und Nina knien vor dem Flughafengebäude in München und nutzen ihre Handys
Gut vorbereitet

Die isländische Regierung fordert von allen Einreisenden die vorherige Online-Registrierung und das Installieren einer Smartphone-App

Quelle: Joschi Kuphal / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Bei der Einreise nach Island muss man sich im Moment zwischen einem PCR-Test oder freiwilliger, zweiwöchiger Quarantäne entscheiden. Für uns war es natürlich der Test. Die leicht unangenehme Prozedur dauert keine 30 Sekunden — ein kleiner Preis für die Gesundheit und die dann folgenden, wunderbaren Tage. Island war gut vorbereitet: Wir hatten uns schon von Deutschland aus übers Handy für die Einreise registriert und einen Barcode erhalten, den wir beim Test vorzeigen mussten. Vom Flughafen aus ging es mit dem Mietwagen direkt in unsere erste Unterkunft in Reykjavík, die wir nicht verlassen durften, bis unsere Testergebnisse vorlagen. Keine 100 Meter von Tommi's Burger Joint entfernt — und im Geiste sowas von dort — starben wir fast vor Hunger und haben uns aus lauter Verzweiflung die vermutlich teuerste Pizza unseres Lebens liefern lassen (Jeff wäre seiner fast erlegen). Keine fünf Stunden nach unserem Test erhielten wir alle zeitgleich die befreiende SMS: Negativ! Die wichtigste Hürde war genommen.

Schild mit Pfeile: Links zum PCB-Test, rechts in die Quarantäne
Test oder Quarantäne?

Bei der Einreise muss man sich zwischen einem PCB-Corona-Test und freiwilliger, zweiwöchiger Quarantäne entscheiden.

Quelle: Nina Lassauer / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Heimkoma

Unsere Zeit in Rekyjavík war dieses Mal sehr begrenzt. Ohne die Material-Konferenz als Aufhänger und bedingt durch die Verschiebung unseres Hinflugs blieben uns lediglich ein paar Stunden, um durch die Gassen zu stromern, bevor es weiter in unser Sommerhaus ging. Immerhin hat es für ein kurzes Wiedersehen mit Brian und seiner Familie gereicht — und Jeff konnte sich das wohl touristischste Islandflaggen-Cap besorgen, das die Hauptstadt auf Lager hatte.

Blick von der Straße auf die Hallgrímskirkja in Reykjavík. Die Straße ist in Regenbogenfarben gestrichen.
Leeres Rekyjavík

Die isländische Hauptstadt wirkt menschenleer — nicht unüblich an einem Sonntagmorgen, aber auch eine Nachwirkung des zusammengebrochenen Tourismus.

Quelle: Nina Lassauer / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Ohne Umschweife: Das Lundur Cottage, in dem wir bereits 2018 unser einwöchiges Work Retreat verbracht haben, ist einfach der Hammer. Direkt am Ufer des Þingvallavatn-Sees gelegen, eingebettet in atemberaubende Landschaft, hervorragend ausgestattet und schlicht der perfekte Ort für gepflegtes, kreatives Social Distancing vom Rest der Welt. Als ich zu Beginn unserer Planungen im letzten Herbst vorsichtig-suggestiv zu Annika meinte, Also von mir aus können wir auch gerne wieder ins selbe Haus, brauchte sie keine Sekunde für ihr Auf jeden Fall!. Die Frage unserer Rückkehr war also nur eine der Zeit. Auf dem Weg von Reykjavík schnell der Almannagjá ihren obligatorischen Besuch abgestattet, fanden wir alles wieder genauso vor, wie wir es vor eineinhalb Jahren hinter uns gelassen hatten. Nach monatelanger Anspannung, geprägt von sozialer Distanzierung, Videokonferenzen, Homeoffice und ökonomischen Unwägbarkeiten hätte es kein wohltuenderes Gefühl von Heimkehr — heimkoma — geben können. Durchatmen.

Blick aus dem Wohnzimmer über den See. Annika steht auf der Veranda.
Heimkehr in die Ferne

Tatsächlich — unser Sommerhaus ist wirklich so idyllisch, wie wir es in Erinnerung hatten. Alles noch an seinem Ort.

Quelle: Joschi Kuphal / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Live dabei

Bei dieser Kulisse wäre es ein Leichtes gewesen, einfach nur die Füße hochzulegen und eine Woche lang abzuschalten. Dabei waren wir natürlich nicht nur zum Spaß hier: Ziel unseres Team Offsites — unserer Arbeitsklausur — war es schließlich auch, neue Ideen zu entwickeln, unsere Prozesse und Methoden zu hinterfragen und mit frischem Schwung nach Hause zurückzukehren. Wir verbrachten also die folgenden Tage mit einer guten Mischung aus teils spontanen Ausflügen, kreativen Diskussionsrunden in unserem Wohnzimmer, gemeinsam zubereiteten Mahlzeiten und allnächtlichen Saunasitzungen. Wir haben die Landschaft zu Fuß, zu Wasser und auf dem Pferd erkundet. Wir haben Springquellen bespitzelt, Furten durchquert, Gletscher geküsst, Bücher gelesen und im Freien gezeichnet. Wir hatten die vielleicht beste Zeit des Jahres.

Apropos Zeit: Man sollte sich klar machen, dass im Juni die Sonne in Island kaum untergeht. Tag und Nacht verschwimmen, und es ist völlig normal, abends um 20 Uhr die Frage zu stellen: Was haltet ihr von einem kleinen Ausflug? Aber so entspannt das auf der einen Seite klingen mag: Fragt mal Annika, wie das mit dem Einschlafen so ist.

Falls sich jemand dafür interessiert, wie es zu unseren Statusmeldungen kam: Gut eine Woche vor unserer Abreise hatte ich die Idee, dass es doch irgendwie nett wäre, wenn wir die Daheimgebliebenen halbwegs zeitnah mit Updates versorgen könnten. Wer mich und meine andauernde Affäre mit dem IndieWeb kennt, kann sich ausmalen, warum Facebook, Instagram & Co. nicht das Mittel meiner Wahl dafür sind. Vielmehr wollte ich eine Möglichkeit, Meldungen direkt an unsere Website zu senden und dort zu veröffentlichen. Eingebracht als offenes Thema am Mittagstisch hatten wir schnell gemeinsam ein paar Leitplanken formuliert:

  • Ein Text mit maximal 300 Zeichen, vielleicht ein Bild — dann aber natürlich barrierefrei mit Alternativbeschreibung — und bei Bedarf genau ein Emoji (ebenfalls mit Textalternative)
  • Zu versenden vom Smartphone, jederzeit live, mit Zeitpunkt und Geokoordinaten
  • Weil man in Island zwar fast immer — aber eben nur fast — Internetempfang hat, muss das ganze auch offline funktionieren

Umgesetzt habe ich das Ganze also sprichwörtlich in letzter Minute, teilweise noch auf dem Weg, mit Hilfe eines Service Workers, Hintergrundsynchronisation für den Offline-Support, einem integrierten Werkzeug zum Bildbeschnitt und Rückwärts-Geokodierung auf Basis von OpenStreetMap. Ein bisschen buggy war die Sache bis zum Schluss — vor allem für Nina und Annika, bei deren iPhones es Probleme mit der Ermittlung der Geokoordinaten und mit dem asynchronen Upload der Bilder gab. Trotzdem: Es hat Spaß gemacht, und wir werden das Werkzeug sicher weiter nutzen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Sobald die Kinderkrankheiten beseitigt sind, wäre das vielleicht auch einen eigenen Blogartikel wert. Wer hätte Interesse?

Schild: Do not throw coins into the springs. Nature does not care for your money. When you throw it into the boiling hot water, you are polluting and littering the area. If you want to help someone by giving them money, please do.
Tragischer Tourismus

Island ist auf seine Touristen angewiesen. Doch außerhalb von Corona werden die großen Touristenmassen auch schnell zur übermäßigen Belastung.

Quelle: Joschi Kuphal / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Was bleibt?

Nicht alles, worüber wir in Island beraten haben, muss hier mit vielen Worten Erwähnung finden. Beispielsweise wurden lange überfällige Aufräumtage angesetzt (in der kommenden Woche ist es so weit!), wir werden die Bürositzordnung an die jüngst veränderten Kommunikationsstrukturen anpassen und andere kleine Veränderungen vornehmen — alles eher weniger der Rede wert.

Viel spannender war es hingegen, unsere vergleichsweise neue Team- und Kommunikationsstruktur unter die Lupe zu nehmen und die ersten 2 Monate Erfahrung damit zu resümieren. Unter der Bezeichnung 3utterflies — weil die grafische Darstellung an drei ineinander verschränkte Schmetterlinge erinnert — hatte ich Ende April in einem teaminternen Barcamp einen Ansatz vorgestellt, wie wir uns in neue Einheiten gruppieren und so die Kommunikationsströme und Lastverteilung verbessern können. Über die letzten Jahre haben wir unterschiedliche Ansätze verfolgt und uns bemüht, etablierte Methoden für uns zu nutzen, Scrum vor allem — mit zeitweisem, aber begrenztem Erfolg. Zuletzt hatten sich Problemstellungen ergeben, auch durch Änderungen im Teamgefüge, die dringend bearbeitet werden mussten. So gehen wir jetzt wieder unseren eigenen Weg — der derzeit viel Zuspruch im Team findet und gut zu funktionieren scheint. Seit April haben wir uns zunächst darauf konzentriert, die neuen Strukturen einzuführen, zu kultivieren und Routinen zu entwickeln. Nun ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen und den Teil auf die Straße zu bringen, der sich mit Zielvorgaben, Berichtsketten und Wasserstandsmeldungen beschäftigt. Wir wollen die zweite Stufe zünden, sozusagen. Mit unseren Beratungen in Island haben wir die Voraussetzungen definiert, und in den kommenden Wochen gehen wir in die Umsetzung. Sobald wir das Gefühl haben, an einem Punkt angelangt zu sein, der zumindest für uns taugt, werde ich einen ausführlichen Blogartikel dazu schreiben. Vielleicht hat 3utterflies ja auch Aspekte, die für andere interessant sind? Bis dahin drückt uns bitte die Daumen!

Post-Its an der Glasscheibe zum See, darauf Arbeitsnotizen
Kreative Einsamkeit

Ziel unseres Team Offsites ist es, neue Ideen zu entwickeln, Prozesse und Methoden zu hinterfragen und mit frischem Schwung zurückzukehren.

Quelle: Joschi Kuphal / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Schließlich haben wir uns noch die Frage gestellt, was Corona eigentlich aus uns gemacht hat — aus dem Team, wie wir inzwischen (miteinander) arbeiten und welche vielleicht sogar positiven Seiten die Arbeitssituation der letzten Monate zu Tage gefördert hat. Zu welchem Schluss uns das bringt. Ich mache es kurz: Von nun an und bis auf Weiteres wird es uns uns allen freistehen, donnerstags und freitags von wo aus auch immer zu arbeiten — solange die Leistung im Team stimmt. Im Büro, von zuhause, von unterwegs oder aus dem Versteck. Die letzten Monate haben gezeigt (und ja, für uns ist das wirklich ein bisschen neu): Es geht — gut sogar. Wir sind zwar immer noch diejenigen, die gerne und viel miteinander zu tun haben wollen, so ganz in echt. Und bestimmt werden nur manche regelmäßig die Offsite-Karte zücken. Aber wenn wir durch diesen Schritt unsere Leben ein klein wenig verbessern, Arbeitswege sparen, Flexibilität und Freiraum schaffen können, dann wäre es Unfug, den Weg nicht weiter zu verfolgen. Bis das alles wirklich gut funktioniert, müssen wir noch ein bisschen Hausaufgaben machen, an unserer Erreichbarkeit unterwegs arbeiten und dafür sorgen, dass wir uns auch dann gut zu einem Team integrieren. Alles lösbare Dinge aber, und wir freuen uns darauf, sie in den nächsten Monaten anzugehen.

Alles endet

Es gibt auch Dinge, die wir dieses Mal in Island nicht geschafft haben. Beispielsweise hätte ich gerne noch darüber beraten, was wir unternehmen können, damit wir unsere Schwerpunkte noch besser auf die Straße bringen. Wie bringen wir mehr Barrierefreiheit unters Volk? Wie können wir die Türen weiter öffnen? Für diese Fragen hat die Zeit leider nicht mehr gereicht … ein andermal.

Der Freitagmorgen, unser letzter im Sommerhaus, begann für mich sehr früh mit einem TYPO3-Rezertifizierungsseminar, online natürlich. Der Termin war nicht ideal, andererseits hätte die Kulisse nicht besser sein können. Die Koffer gepackt, das Haus geputzt und das obligatorische Teamfoto geschossen — wieder haben wir diesen wundervollen Ort hinter uns gelassen, aber die beste Auswahl handverlesener Erinnerungen mit nach Hause genommen. Der Eigentümer hat uns fürs nächste Mal eine Bootstour auf dem See versprochen. Auch ohne die können wir jetzt schon sagen: Wir kommen wieder!

Laptop mit TYPO3-Onlineseminar auf dem Bildschirm, im Hintergrund der See
Die Pflicht ruft

Der Arbeitsalltag wirft wieder seine Schatten voraus: Vor dieser Kulisse darf ruhig auch mal ein TYPO3-Rezertifizierungsseminar passieren.

Quelle: Joschi Kuphal / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Der Rest unserer Reise ist schnell erzählt. Den Nachmittag verbrachten wir erneut in Reykjavík, pflückten Souvenirs für die Heimat, trafen Brian ein letztes Mal und besuchten ein paar Stationen des DesignMarch-Festivals. Mein persönliches Highlight war die Entdeckung, dass mein langjähriger Freund Keli, ein in Kopenhagen lebender isländischer Designer, gerade in der Stadt und Aussteller des DesignMarch war. Wir hatten uns seit Jahren nicht gesehen und entsprechend groß war die Freude über das Wiedersehen. Nicht ohne den unverzichtbaren Abschieds-Burger bei Tommi machten wir uns schließlich auf den Weg zum Flughafen. Zurück nach Deutschland, zurück in die Realität, zurück in den Alltag. So schön es ist, zuhause anzukommen, so hart ist auch die Landung — irgendwie.

Wir hatten großes Glück, dass diese Reise überhaupt so stattfinden konnte. Wir durften Island in einer Zeit erleben, die hoffentlich einmalig bleibt. Für uns bleibt sie es ohnehin. Auch wenn es noch keinen neuen Termin gibt: Die nächste Material-Konferenz kommt bestimmt — vielleicht 2021, vielleicht erst später. Aber für uns steht fest: Wir sind auf jeden Fall wieder dabei!

Gruppenfoto vor dem Sommerhaus: Joschi, Nina, Annika und Jeff mit Kapuzen und Caps
Abschied mit Zuversicht

Zum zweiten Mal lassen wir unser Haus am See zurück, nehmen dafür aber die besten Erinnerungen mit nach Hause. Wir freuen uns auf das nächste Mal!

Quelle: Joschi Kuphal / tollwerk GmbH, , Alle Rechte vorbehalten

Habt ihr mit eurem Team schon ähnliche Reisen unternommen? Wenn nicht, was hält euch davon ab? Bitte teilt eure Erlebnisse in den Kommentaren — wir sind super gespannt! Wir haben diesen Bericht mit der Frage begonnen: Wozu eine solche Reise? und schließen mit unseren ganz persönlichen Antworten.


„Und was macht ihr dann da?“

… hieß es immer, wenn ich Freunden und Verwandten vorher von unserer Reise erzählt habe. So ganz genau konnte ich das nie beantworten. Unsere Konferenz, die Material, wurde dieses Jahr ja ohne Nachholtermin abgesagt. Wie also den Schein der Produktivität vermitteln, den ich glaubte, vermitteln zu müssen? So eine Art 'Retreat', 'Work & Travel' aber mit internen Projekten, so interne Workshops, faselte ich dann. Aha.

Aber eine klassische Dienstreise war unser Ausflug nicht. Wir haben zwar intensiv diskutiert über Verbesserungen für unseren Arbeitsalltag und unsere Produktivität, in unserem Haus am See und auf langen Autofahrten. Aber wir sind eben auch wandern gegangen. Reiten. Schwimmen, baden und jeden Abend saunieren. Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass die Gespräche sich dabei nicht immer nur um TYPO3 und PHP 7 gedreht haben und um die aktuelle Mehrwertsteuersenkung und deren Auswirkung auf unsere Buchführung. Oft saßen wir einfach träumend in unserer von Fenstern umgebenen Wohnküche und genossen die langen Sonnenuntergänge, die um 20 Uhr anfingen und um 2 Uhr dann doch wieder zu Sonnenaufgängen wurden.

Warum muss alles, was mit Arbeit zu tun hat, immer produktiv sein? Wertschöpfend? Die klassische Lohnarbeit als Angestellte oder Angestellter in einem Büro umfasst den größten Teil unseres Tages, ja, unseres Lebens. Wenn wir diese Arbeit nicht zusammen mit Freundinnen und Freunden machen würden, wir würden doch verrückt werden. Und mit Freunden fährt man eben auch in den – sagen wir, wie es ist – Urlaub. Dann entspannt man sich und schaltet ab und ist mal nicht von 8:30 bis 17:00 Uhr produktiv. Man befreit seinen Kopf, stärkt seinen Körper und lernt sich noch näher kennen. Und das schöpft einen Wert, den man anders gar nicht schöpfen kann.

Web-Entwickler & -Designer

Jeff Chi, B.A.

Jetzt sind wir schon 2 Wochen zurück

… aus Island und das Erlebte wird wieder einmal eine ganze Zeit lang beeindrucken und mit tollem Gefühl auf die Reise zurückblicken lassen.

Tatsächlich war ich vor unserer ersten Reise 2018 etwas skeptisch, ob es gut funktionieren kann, mit seinen Kollegen solch eine Reise zu machen. So lange gemeinsam und zum Teil auf engstem Raum — sogar im gleichen Bett — war schon eine komische Vorstellung.

Aber es hat während beiden Islandreisen, mit unterschiedlichen Kollegen, wunderbar funktioniert! Vielleicht ist es einfacher, sich den Kollegen gegenüber ein Stück weit so zurückzunehmen, dass man schneller auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Es kam auf keiner der Reisen zu wirklich kontroversen Diskussionen oder gar Streitigkeiten. Und ich glaube, dass das mitunter der Grund ist, warum man einfach eine sehr entspannte Zeit zusammen haben kann. Die Meinung der Gruppe entscheidet über das Programm, und es war trotzdem nie ein Problem, wenn sich mal jemand abgeseilt hat. Man lernt sich privat gut kennen und kann sich auch etwas besser einschätzen, wenn man den einen oder anderen Abend bei einem Weinchen am See einfach mal nur geplaudert hat. Dazu verbindet einen das Erlebte … Beeindruckende Naturschauspiele, gute Gespräche und natürlich mitunter auch skurrile Situationen, die sich, natürlich, dann auch eher selten um den Job drehen. Dieses Gefühl nimmt man wieder mit nach Hause und in den Job. Wir kennen uns besser und gehen auch leichter miteinander um. Da ich nur Teilzeit arbeite, fehlen mir oft die privaten Gespräche des Mittagessens, und für mich ist die Reise immer wieder eine Chance, meine Kollegen auch besser kennenzulernen. Dass wir uns gut kennen, lässt uns in schwierigen Jobsituationen sicherlich als besser zusammengewachsenes Team dastehen, und man löst ein Problem für die Firma gemeinsam besser.

Und klar ist: Island wir lieben dich und kommen wieder — als Team!

Projektleiterin, Assistentin des Geschäftsführers

Annika von Karger

Manchmal müssen Jahre vergehen,

… bis man versteht, was einen wirklich beeindruckt, verändert und nachhaltig geprägt hat.

Vor 25 Jahren, kurz vor meinem Studium, begann ich — zunächst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter — beim impuls büro für gestaltung zu arbeiten. In dem damals noch jungen Büro war ich nicht nur der Jüngste, sondern wohl auch der gröbste Lümmel: Immer vorne dabei, wenn es um Teamaktivitäten ging, aber selten bis nie wirklich etwas beigetragen. Erst viele Jahre später habe ich begriffen, was ich alles aus dieser Zeit mitgenommen und in meine eigene kleine Welt eingebaut habe: Die offene Bürostruktur, die gemeinsamen Mittagessen, der herzlich-persönliche Ton im Team — meine beiden damaligen Chefs Matthias Kutsch und Peter Neudert (und auch alle anderen) haben mir vorgelebt, was später ein wichtiger Teil meines Ideals werden sollte. Sie alle sind heute Heldinnen und Helden für mich, und ich entschuldige mich für meine jugendlichen Rüpeleien.

Ich werde den Tag nie vergessen, an dem das Team geschlossen den Mitsubishi L400 stieg und in Richtung Schwarzwald aufbrach. Ein paar Tage im Elsass, das Tinguely-Museum in Basel, Vitra in Weil am Rhein und die Übernachtung im Berghotel irgendwo oben auf einem Hügel im Wald. Der Trip hat für mich den Status einer Legende (auch wenn ich mich kaum an Details erinnere) und mir war immer klar: Genau das, solche Momente, diesen Zusammenhalt möchte ich auch mit meinem eigenen Team erleben können.

Erst eine ganze Generation später, mit unserer ersten Reise nach Island vor eineinhalb Jahren, wurde dieser lang gehegte Traum Wirklichkeit. Ich kann schwer beschreiben, was das alles mit mir macht. Ich bin stolz auf unser Team, weil wir es so weit gebracht haben und weil wir uns sogar so gut aushalten, dass wir als Bürofamilie im Urlaub funktionieren, schon zum zweiten Mal. Weder möchte ich die bereits gemachten Erfahrung missen, noch diejenigen, die weiterhin vor uns liegen. Denn eines ist sicher: Wir fangen gerade erst an!

Geschäftsführer, CAO

Dipl.-Ing. Joschi Kuphal

Höre nicht alle Tage, dass man …

… mit der Arbeit eine Woche in Island verbringt. Jedem, dem ich es bis jetzt erzählt habe, oder alle, die mich auf Instagram verfolgen, fragen sich, warum. Was antworte ich darauf?

Nun, eigentlich hätte im März eine Konferenz stattgefunden, die mein Chef veranstaltet. Und er hat das ganze Team mit einpackt. Da die Material coronabedingt abgesagt und unser Flug gecancelt wurde, hatten wir laut Fluggesellschaft die Möglichkeit, unseren Flug bis Juli zu verschieben. Was wir getan haben. Also fliegen wir nach Island, ohne Konferenz, dafür mit viel Abenteuerlust.

Und arbeitet ihr dort dann auch?

Gute Frage, eigentlich schon. Denn selbst wenn wir nicht arbeiten, wie es sich ein jeder vorstellt, 8 Stunden am Tag vor dem Computer, entstehen jedes Mal viele neue fantastische Ideen und Ansätze, die in den darauffolgenden Wochen mit dem gesamten Team debattiert und erprobt werden.

Und… seht ihr euch dann auch was an?

Ja natürlich! Wir sind fast jeden Tag auf Achse, erkunden Island — überqueren reißende Flüsse, begeben uns in schwindelerregender Höhe auf schmalen, steinigen Pfaden durch die Berge bis hin zu heißen Quellen, waten durch rauchig sumpfig-anmutende Gegenden, wo sich jeder Zeit ein 100 Grad heißer Geysir entladen kann! Damit stärken wir unterbewusst unseren Teamgeist und schaffen so gemeinsame Erlebnisse. Denn die verbinden.

24 Stunden am Tag mit seinen Arbeitskollegen in einem Ferienhaus zu verbringen mag für einige eine ungemütliche oder zu private Vorstellung sein. Es muss schon dein Ding sein. Ich würde mal behaupten, dass es auch deswegen so gut funktioniert hat, weil nur die Hälfte des Tollwerks zusammen gereist ist. Jeder hat einen anderen Tages- und Nachtrhythmus, andere Präferenzen und Vorstellungen vom Zusammenleben. So lange es alle wollen, funktioniert es, kann man sagen. Aber ich denke trotzdem, dass wir irgendwie alle vom gleichen Schlag sind und wir Island deshalb mit vorprogrammiertem Fernweh verlassen haben (jedenfalls erging es mir so). Jede einzelne Reise prägt dich, mich und das Team. Man fühlt sich verbundener, es ist wie eine Art Freundschaft und nicht nur ein Arbeitsplatz, an dem man gefühlt die Hälfte des Tages verbringt, umringt von fremden Kreaturen. Bei uns steht kein Kicker, keine Spielekonsole. Brauchen wir nicht. Wir haben unsere gemeinsamen Mittagessen, die jährlichen Konferenzen in fremden Städten und die große Reise nach Island. Daran werde ich mich immer erinnern <3

Web-Entwicklerin

Nina Lassauer