Barrierefreiheit bezeichnet den Zustand, in dem ein Gegenstand oder eine Umgebung frei von Hindernissen genutzt werden kann. So individuell wie die einzelnen Nutzenden sind, so vielfältig sind auch die möglichen Barrieren, die bedacht und vermieden werden müssen. Barrierefreiheit passiert nicht von alleine — sie ist das Ergebnis eines bewussten, inklusiven Entstehungsprozesses.

Barrieren

In der physischen Welt sind Barrieren oft offensichtlich: Stufen grenzen Rollstuhlfahrende aus, niedrige Durchgänge gefährden Große. Anders in der Kommunikation — hier sind es mitunter subtile Details, die bestimmten Menschen Probleme bereiten.

Barrieren können an jeder Stelle im Entstehungsprozess eines Produkts ihren Anfang nehmen. Um sie zu vermeiden, müssen viele Disziplinen frühzeitig zusammenspielen. Wer Barrierefreiheit ans Ende stellt, entscheidet sich für ein minderwertiges Ergebnis und hat oft später das Nachsehen.

Treppe im öffentlichen Raum. Eine Rampe endet auf halber Höhe inmitten der Stufen.
Barrieren entstehen im Kopf

Mitverantwortlich für viele Barrieren ist, dass Umsetzende oft selbst nicht von Beeinträchtigungen betroffen sind. Viele Dinge werden — meist ungewollt — nicht zu Ende gedacht.

Quelle: Unbekannt

Konzeptionelle und Design-Barrieren beeinträchtigen die Wahrnehmbarkeit und Bedienbarkeit eines Produkts und belasten das Nutzungserlebnis. Mangelnde Kontraste, schwierige Farbverhältnisse, schlechte Lesbarkeit und unverständliche Bedienkonzepte sind Beispiele für gängige Gestaltungsprobleme.

Technisch-funktionale Barrieren beruhen auf verwendeten Materialien, Techniken sowie Art und Qualität der Ausführung. Mangelnde Druckqualität, ungeeignetes Papier oder fehlerhafte Konfektionierung können ein Printprodukt unbenutzbar machen. Langsame, fehleranfällige Webseiten, die per Touchscreen oder Tastatur kaum bedienbar sind und weder von Menschen, noch von Suchmaschinen verstanden werden, machen sich auf kurz oder lang keine Freunde.

Inhaltliche Barrieren entstehen durch mangelhafte Formulierung oder Strukturierung von Informationen und das Fehlen von alternativen Aufbereitungen. Sprachliche Komplexität schließt eine große Gruppe von Menschen aus — Nicht-Erstsprachliche, Unerfahrene, Menschen mit kognitiven Einschränkungen und viele mehr. Bilder und Videos ohne Textalternativen bleiben Hör- und Sehbehinderten vorenthalten.

Organisatorische Barrieren entstehen in dem Umfeld, in dem Entscheidungen getroffen werden. Mangelndes Bewusstsein und fehlender Handlungswille sind die wichtigsten Ursachen, warum Barrierefreiheit noch immer nicht als selbstverständliches, unbedingtes Qualitätskriterium gilt. Barrierefreie Kommunikation, im Print wie digital, ist nicht teuer, hässlich und primitiv — wir müssen diese Vorurteile dringend überwinden.

Betroffene

Barrierefreiheit wird oft instinktiv mit Behinderung assoziiert — und tatsächlich gibt es viele Behinderungen, die besonders von Barrieren geprägt sind:

  • Sinnesbehinderungen wie Seh- und Hörbehinderungen, Farbfehlsichtigkeit, Blindheit, Taubheit oder Taubblindheit
  • Körperliche Behinderungen, die die Nutzung bestimmter Gegenstände und Geräte verhindern oder die Bewegungspräzision beeinträchtigen
  • Sprachbedinderungen in Laut und Schrift, die häufig auch mit Beeinträchtigungen des Lesevermögens einhergehen
  • Kognitive Behinderungen wie mangelndes Abstraktions- oder Erinnerungsvermögen, beeinträchtigte Erkenntnis- oder Urteilsfähigkeit, Aufmerksamkeits- oder Lernstörungen

Es sind jedoch längst nicht nur Behinderte betroffen — auch nicht-behinderte Zielgruppen ziehen unmittelbar Nutzen aus barrierefreien Lösungen:

  • Unerfahrene Nutzerinnen und Nutzer, etwa ältere Menschen und Kinder
  • Nicht-Muttersprachliche
  • Menschen in ungewohnten oder problematischen Nutzungsumgebungen, etwa im grellen Sonnenlicht, unterwegs mit eingeschränkter Internetverbindung oder schwacher technischer Ausstattung
  • Suchmaschinen / Bots
  • und viel andere

Am Ende steht die Erkenntnis, dass wir alle von Barrieren betroffen sind — und von Barrierefreiheit profitieren — wenigstens in bestimmten Lebenssituationen.

Animierte, abstrakte Personas mit unterschiedlichsten Behinderungen und Nicht-Behinderungen
Wir alle sind betroffen

Permanente, temporäre und situative Behinderungen können uns alle jederzeit betreffen. Die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und der Abbau von Barrieren ist eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung.

Lösungen

Jede Kommunikationsmaßnahme — ob als Website, Broschüre oder Videoclip — zielt darauf ab, möglichst gut verstanden zu werden. Barrierefreie Techniken helfen dabei, die Reichweite einer Botschaft zu vervielfachen: Sie sorgen für Klarheit, Verständlichkeit und ein maximal breites Publikum.

Barrierefreiheit darf keine nette Geste sein, die nur dann zum Tragen kommt, wenn die Sterne gerade günstig stehen. Im Gegenteil: Sie ist unbedingtes Qualitätsmerkmal, und wir leisten schlicht mangelhafte Arbeit, wenn wir sie vernachlässigen.

Sind Sie bereit, barrierefrei zu kommunizieren? Lassen Sie sich begleiten!