tollwerk hoch 20

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von Joschi Kuphal am

Es besteht kein Zweifel: 2020 wird ein legendäres Jahr! Wir begehen unser 20-jähriges Jubiläum — und auch ansonsten haben wir uns viel vorgenommen.

Bertram, Annika, Nina, Kai und Joschi vor einem isländischen Landhaus im November 2018
Material 2018

Im Anschluss an unsere zweite Material-Konferenz in Reykjavík verbrachte ein Teil unseres Teams vor Ort ein paar Tage mit internen Workshops

Mehr Barrierefreiheit

Der 23. September 2020 dürfte ein Datum sein, dem viele Kommunen und öffentliche Einrichtungen leicht nervös entgegenblicken: Per EU-Richtlinie 2016/2102 bzw. EN 301 549 müssen ab diesem Tag auch solche Websites und online bereitgestellte Dokumente (z.B. PDFs) barrierefrei sein, die vor dem 23.9.2018 veröffentlicht wurden. Dabei ist anzunehmen, dass vielen betroffenen Stellen noch nicht einmal wirklich bewusst ist, dass sie bereits seit Herbst 2018 in der Pflicht stehen.

Schon im vergangenen Jahr konnten wir einen starken Anstieg bei der Nachfrage nach barrierefreien Websites und verwandten Beratungsleistungen verzeichnen. Wir haben dies zum Anlass genommen, auch uns nochmal »amtlicher« aufzustellen: Seit einem halben Jahr sind wir anerkannte Prüfstelle im BIK BITV-Test-Prüfverbund und können offiziell den bekannten, entwicklungsbegleitenden und abschließenden BITV- / WCAG-Test durchführen, um den Barrierefreiheitsgrad von Websites und anderen Online-Angeboten festzustellen und bei der Optimierung zu beraten und zu unterstützen.

Für 2020 streben wir weiterführende Zertifizierungen sowie die Qualifikation eines zweiten Prüfers an, so dass wir der zu erwartenden Anfragelast noch besser gerecht werden können. Zusätzlich planen wir den Aufbau weiterer Schulungs-, Beratungs- und Audit-Angebote, um auf Wunsch auch Bereiche wie Usability, Design, Performance und allgemeine Best Practices in Prüfungen einschließen zu können.

Die gesetzlichen Umsetzungsfristen im Auge rechnen wir in den kommenden Monaten mit erhöhtem Bedarf insbesondere bei der öffentlichen Hand und reservieren einen Teil unserer Kapazität speziell für Anfragen aus dieser Richtung. Nach aktuellem Stand (Januar 2019) stehen wir ab Mitte / Ende März 2020 wieder für neue Projekte zur Verfügung.

Apropos Fokus ;)

Auch in anderen Bereichen haben wir uns für 2020 viel vorgenommen:

  • Ja ja, auch wir glauben es erst, wenn wir es sehen — aber nach fast 10 Jahren wird unsere bisherige Website demnächst einen kompletten Relaunch erleben. Mit geschärftem Profil und endlich wieder aktuellen Informationen zu unseren Leistungsangeboten.
  • Mit großer Vorfreude blicken wir einer personellen Verstärkung unseres Teams entgegen, die uns ab März mit frischer Designkompetenz ergänzen wird. Hurra!
  • Unsere 2014 gestartete Accessibility Club-Veranstaltungsreihe rund um Barrierefreiheit im Web und assistive Technologien hat im vergangenen Jahr enorm Fahrt aufgenommen und international für Aufmerksamkeit gesorgt: Ein höchst erfolgreiches Meetup in Düsseldorf, ein gleichnamiger Ableger in Finnland und schließlich ein erstes, fulminantes 2-Tages-Summit mit Teilnehmern aus 14 Ländern in Berlin — es hätte kaum besser laufen können. Inzwischen sind weitere Ableger in Österreich und den Niederlanden in Vorbereitung, und auch die nächsten Termine stehen: Düsseldorf im April, ein zweites Summit in Amsterdam im Juni und eventuell weitere Events in Berlin und München stehen auf dem Programm. Die Community wächst und es ist einfach nur großartig!
  • Weiterhin veranstalten wir zusammen mit unserem Freund Brian Suda am 20. März die bereits dritte Ausgabe unserer kleinen, aber feinen Konferenzreihe »Material« in Reykjavík, Island, mit anschließendem Offsite-Retreat für einen Teil unseres Teams. Schon jetzt ein Highlight, auf das wir uns riesig freuen.
  • Nach 6 Jahren und tausenden Stunden überwiegend ehrenamtlichen Engagements für das Nürnberg Digital Festival (ehem. Nürnberg Web Week) haben wir die Rolle der technischen / digitalen Leitung abgegeben und zeichnen zukünftig nicht länger für die Website und andere digitale Angebote verantwortlich. Das schafft Raum, um sich wieder mehr als Teilnehmer und Veranstalter am Festival zu beteiligen: Nach einer Runde Pause planen wir für Juli wieder die Organisation eines IndieWebCamps hier bei uns, daneben wird es womöglich Entwickler-Workshops zu digitaler Barrierefreiheit geben.
  • Ungebremst weiter läuft unser CoderDojo Nürnberg in sein 5. Jahr: Noch im Januar heißen wir zum 30. Mal Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren bei uns willkommen, um ihnen das Programmieren und den Umgang mit Computern nahezubringen. Seit vergangenem Herbst erfahren wir Unterstützung durch den Nürnberger Hackspace K4CG, der mit dem Künstlerhaus Nürnberg einen zweiten Standort mit Dojos bespielt.

Accessibility Club 2019 Aftermovie

Transkript: English (English)

VASILIS VAN GEMERT: So the atmosphere here is fantastic! It's very welcoming, there's lots of detail going into letting people feel welcome and thinking about how do — would different people feel welcome.

SARAH BRODWALL: Accessibility should be a minimum. Of course we have to do this!

ANNA KAROŃ: Now it's like a core feature that we should implement in every — in every element that we build.

SARAH: I see that when people have empathy for people with different disabilities or in different situations the level of accessibility gets much better.

ANNA: So accessibility for me it's like a harmony between frontend work, the work that I work in and the users that I work for.

JOSCHI KUPHAL: The idea was just to lock some developers with a screenreader user in one room and see what — what's going to happen and it turned out they had a lot of topics they could talk about. So we thought we can scale this and we should involve more developers and more people and over the years it became bigger and bigger.
But it's not about scaling, it's about involving more people so next year I could imagine to have a conference again but also I think it's really important to have this conversational thing going on.

1, 2, 3 Dekaden

Auch noch aus einem anderen Grund ist 2020 ist für uns ein besonderes Jahr — feiern wir heuer immerhin unser 20-jähriges Bestehen! Bei so einer Zahl hält man dann doch kurz inne und gerät ins Sinnieren. 20 Jahre. Eine lange Zeit. Wir haben uns gefühlt rasant hindurchgeschraubt, so wie sich in dieser Zeit auch die Medien um uns rasant verändert haben. Ein bisschen erstaunlich durchaus, wie wir es so weit geschafft haben.

Ich sehe zwei grundunterschiedliche Dekaden hinter uns. Die ersten 10 Jahre — »tollwerk 1.0«, wie ich manchmal sage — war das Aufbauteam am Werk. Alle waren Allrounder, alle ein bisschen Unternehmer, Tag und Nacht bei der Sache, ein bisschen stur und kaum zu bremsen. Dann, aus irgendeinem Grund, hat sich das ursprüngliche Team allmählich aufgelöst und einmal runderneuert. Es hat sich nach Australien, Norwegen, in die USA exportiert. Generation Z hat den Laden übernommen — alles ist jetzt gemäßigter, vernünftiger, auf jeden Fall reflektierter. Heute sind wir Eltern, Vegetarier oder führen sogar ein Leben außerhalb des Büros (manche jedenfalls). Auch nicht so schlecht.

Mit dem Alter kommt die Reife, haben sie gesagt. Darum haben wir uns vor gut 2 Jahren auf den Weg gemacht und Stück für Stück so ziemlich alles umgekrempelt hier. Gut, nach außen hin ist das vielleicht noch nicht so deutlich. Kommt aber noch, bald — und wir werden ausführlich dokumentieren, was wir alles verändert haben. Ich habe jedenfalls Anlass, fest daran zu glauben, dass uns nun wieder eine neue, ganz andere dritte Dekade ins Haus steht. Mit mehr Fokus, mehr Strategie und mehr klaren Ansagen. Und ich freue mich sehr darauf. 2020 kann kommen — begleitet uns doch gerne!

Bertram, Judith, Klaus, Annika, Philip (hintere Reihe, l.n.r.) und Jeff, Nina, Joschi Kay (vordere Reihe, l.n.r.) vor dem Büro Ende 2018
tollwerk 2.0

Ende 2018 bestand unser Team aus diesen 9 motivierten Tollwerkern — wohin führt die Reise?